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ADHS
ADHS und unsere Augen
Hady Daboul
@braindoc_hady
Arzt und Neurowissenschaftler
Nahaufnahme Augen eines Kindes – ADHS und Augenbewegungen
In Studien [1, 2] konnte demonstriert werden, dass Augenbewegungen bei Kindern mit ADHS anders sind. Konkret konnte demonstriert werden, dass Augensprünge Abweichungen aufweisen. Also die Fähigkeit unserer Augen von einen auf den nächsten Punkt zu springen. Konkret ist das die Grundfähigkeit, die wir brauchen, wenn wir etwas lesen. Ist diese Fähigkeit schlecht ausgeprägt, ist Lesearbeit immer mit kognitivem Mehraufwand verbunden. Das führt dazu, dass die Dauer, die ein Kind lesen kann deutlich reduziert ist. Es kann sich nicht so lange konzentrieren und versucht sich irgendwann abzulenken, aufzustehen, etwas anderes zu tun.
Und genau das sehen wir in der unten stehenden Grafik:
Studie Sakkaden ADHS – Saccade Duration, Amplitude und Fixation im Vergleich ADHS vs. Kontrollgruppe
Die Abbildung stammt aus einer Studie aus dem Jahr 2022 [2]. Dort wurden Augensprünge untersucht (auf englisch Saccades). Im Rahmen der Studie wurden die Augen von Kindern mit ADHS (engl. ADHD) untersucht. In der Abbildung sehen wir, dass Kinder mit ADHS zeitlich kürzere Augensprünge aufweisen, die Augensprünge eine geringere Amplitude haben und die Dauer wie lange etwas angeschaut wird länger sind. Diese Ergebnisse werden wie folgt interpretiert:
  1. Längere Fixationszeiten deuten darauf hin, dass die Verarbeitung visueller Informationen länger braucht. Das bedeutet, dass das visuelle System und die Informationsaufnahme aus dem Sehen ineffizienter ist. Übersetzt auf Lesen & Verstehen kann es bedeuten, dass länger gebraucht wird um Buchstaben zu verstehen.
  2. Entwicklung visueller Kompetenz: Im Rahmen der Entwicklung visueller Fähigkeiten wird folgendes beobachtet: Augensprünge werden räumlich und zeitlich länger. Die zeitlich kürzeren Augensprünge und die geringere Amplitude deuten also zusätzlich daraufhin, dass das visuelle System gefördert werden sollte.
Insgesamt sollten die Augen bei ADHS immer gescreened und im nächsten Schritt auftrainiert werden!
Natürlich ist das nur ein kleiner Einblick in die Studienlage. Wir sehen noch weitere Veränderungen im visuellen System bei ADHS die den Rahmen eines Newsletters deutlich sprengen würden. Meine Meinung zu dem Thema ist klar: Besteht die Diagnose oder der Verdacht auf ADHS sollten die Augen immer professionell und neurofunktionell gescreened werden. Leider gibt es in Deutschland nicht genügend Angebote für ein solches Screening und die anschließende Begleitung und das Training.
Quellen: [1] Huang JH, Chan YS. Saccade eye movement in children with attention deficit hyperactivity disorder. Nord J Psychiatry. 2020 Jan;74(1):16‒22. doi: 10.1080/08039488.2019.1666919. Epub 2019 Oct 3. PMID: 31581925. [2] Merzon, L., Pettersson, K., Aronen, E.T. *et al.* Eye movement behavior in a real‒world virtual reality task reveals ADHD in children. *Sci Rep* **12**, 20308 (2022). https://doi.org/10.1038/s41598‒022‒24552‒4
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