Nervensystem
Die Vitamin‒D Lüge
Hady Daboul
@braindoc_hady
Arzt und Neurowissenschaftler
Was Vitamin D in deinem Körper macht
Vitamin D ist ein Hormon das in zahlreiche Prozesse in unserem Körper eingreift und uns so hilft, gesund und widerstandsfähig zu sein. Es hilft uns bei unserer Immunfunktion, stärkt unsere Knochen, reduziert das Sturzrisiko, regt Muskelwachstum an, steht in Zusammenhang mit hormoneller Balance und hebt unsere Stimmung.
Es konnte beispielsweise demonstriert werden, dass niedrige Vitamin-D Spiegel mit depressiven Verstimmungen, Müdigkeit und allgemeinen Stimmungstiefs einhergehen. Andersherum konnte gezeigt werden, dass eine Supplementierung von Vitamin-D diese Effekte umkehrt - also die Laune statistisch signifikant hebt [3].
Nun könnten wir ja denken, es reicht, ab und zu in die Sonne zu gehen, dann würden wir doch auf einen gesunden Vitamin-D Spiegel kommen und alles ist okay - oder?
Vitamin D - wie viel brauchen wir eigentlich?
Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, müssen wir erst einmal schauen, wieviel Vitamin-D wir als Menschen brauchen. Dazu hat Papadimitriou, Professor für Pädiatrie, Neonatologie und Endokrinologie an der Universität Thessaly in Griechenland, eine Forschungsarbeit publiziert. Seinen Ergebnissen zur Folge brauchen wir als erwachsene Menschen 8.000 IE Vitamin-D am Tag um eine optimale Versorgung zu haben, die laut dem Professor bei 100 nmol/L liegt.
Die offizielle Empfehlung in Deutschland liegt bei gerade mal 800 IE pro Tag. Der Unterschied ist gewaltig.
Mit einem typischen Büroalltag im Hochsommer bildet der Mensch etwa 900-3.000 IE pro Tag. Sind jetzt Arme und Beine noch bedeckt oder mit Sonnenschutz eingecremt und das Gesicht zusätzlich durch Make-Up geschützt wird es schnell sehr viel weniger. Aber selbst bei einem normalem Alltag im Hochsommer wird, nach Papadimitriou, zu wenig Vitamin D gebildet. Jeder Mensch müsste, auch im Hochsommer, Vitamin D zuführen.
Und im Winter kann ich ja einfach mal in die Sonne für Vitamin D
Leider nicht - im Winter kann kein Vitamin-D vom Körper gebildet werden. Deshalb habe ich im vorherigen Abschnitt ausdrücklich den Hochsommer erwähnt. Im Winter steht die Sonne in einem anderen Winkel zur Erde. Es kommt so gut wie keine UV-B Strahlung der Sonne bei der Erde an. Diese Strahlung benötigt aber unsere Haut, um aus dem inaktiven Vitamin-D die aktive Form zu synthetisieren.
Der Mensch kann im Winter also gar kein Vitamin D bilden! Im Herbst und Frühling entsprechend wenig. Die 900-3.000 IE beziehen sich so also lediglich auf den Hochsommer. So geht jeder Mensch, der nicht supplementiert, in den Winter ohne ausreichende Vitamin-D Speicher rein. Diese werden dann über den Winter noch weiter leer gezogen und können dort die Stimmung drücken und die Immunfunktion beeinträchtigen. Im Sommer reicht die Sonnenexposition wiederum nicht aus, um die Speicher ausreichend zu füllen. Es empfiehlt sich also, den eigenen Wert streng zu kontrollieren und entsprechend zu handeln.
Kurz gesagt: wer nicht supplementiert, hat mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit einen Mangel.
Quellen:
[1] Papadimitriou DT. The Big Vitamin D Mistake. J Prev Med Public Health. 2017 Jul;50(4):278-281. doi: 10.3961/jpmph.16.111. Epub 2017 May 10. PMID: 28768407; PMCID: PMC5541280.
[2] Veugelers PJ, Ekwaru JP. A statistical error in the estimation of the recommended dietary allowance for vitamin D. Nutrients. 2014 Oct 20;6(10):4472-5. doi: 10.3390/nu6104472. PMID: 25333201; PMCID: PMC4210929.
[3] Wang L, Su S and Liu Y (2025) Meta-analysis of the effect of vitamin D on depression. Front. Psychiatry 16:1622796. doi: 10.3389/fpsyt.2025.1622796